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Eine Reise nach Polen...mit dem Seminarfach: "Umgang mit der NS-Vergangenheit"

Nach der Anreise begann Dienstag, unser erster Tag, mit einer Stadtführung. Dabei bemerkten wir so einige Angewohnheiten, die die Polen hatten. Möchte man in Polen beispielsweise über eine Straße mit Zebrastreifen gehen, so darf man nicht warten, bis einer anhält, das würde nämlich keiner tun, nein, man muss todesmutig einfach drauflosgehen und hoffen, dass jemand anhält. Eine sehr interessante Geschichte, die wir bei der Stadtführung lernten, ist die über den grünen Drachen. Überall in Krakau findet man grüne Drachen als Souvenirs und an dem Tag erfuhren wir, dass es eine Legende über einen grünen Drachen gab, dem Jungfrauen geopfert wurden, bis eines Tages ein Schneider ihm ein Schaf gefüllt mit Schwefel vorlegte. Der Drache aß das Schaf und bekam Durst. Er trank so viel, dass er platzte. Insgesamt ist Krakau eine sehr schöne alte Stadt mit sehr offenen und freundlichen Menschen.

Am Nachmittag ging es weiter nach Nova Huta, welches eine sozialistische Musterstadt war. Eigentlich konnte man dort nur einen allgegenwärtigen Plattenbau sehen. Erschöpft von den vielen Eindrücken fielen wir abends in unser Bett.

Mittwoch fuhren wir als Erstes nach Kazimierz, ein jüdisches Viertel, in welchem es viele gemütliche Cafes und einige Synagogen gibt. Man gewann einen interessanten Einblick in die jüdische Religion und Tradition. Anschließend gingen wir in das jüdische Ghetto und uns wurden viele grausame Geschichten über Naziverbrechen erzählt. Wir waren alle sehr schweigsam und betroffen. Als wir weitergingen, kamen wir zu Schindlers Fabrik. Dies war ein Museum, welches sich mit dem Holocaust und Schindler beschäftigte. Zwar war dieser Besuch freiwillig, dennoch ging ein Großteil trotz schmerzender Füße und Müdigkeit in das Museum. Es hat sich aber wirklich gelohnt. Viele sagten hinterher, dass es das beste Museum gewesen sei, in dem sie jemals waren. Es hat mit vielen Mitteln gearbeitet, um einem das Thema näher zu bringen. Der letzte Raum war komplett mit Zeitungen aus der Zeit während und nach dem Holocaust bedeckt. Die Beleuchtung war sehr hell und dort waren noch Säulen mit Zeitungen, die sich gedreht haben. Dazu wurde Musik gespielt. Es sind Erinnerungen, die bleiben werden. Dieser Tag war nicht nur wegen des enormen Laufpensums sehr anstrengend, sondern auch unsere Psyche hatte einiges zu verarbeiten. Viele der Bilder und Zeitungsausschnitte waren sehr bedrückend und haben einen sehr bewegt.

Am Donnerstag fuhren wir nach Auschwitz. Schon auf der Hinfahrt herrschte eine fast bedächtige Stille im Bus, während auf der Fahrt im Fernseher eine Dokumentation über das Konzentrationslager gezeigt wurde. Als wir ankamen, war einem noch nicht bewusst, wo man sich befand, da der Eingangsbereich wie ein modernes Museum aufgebaut war. Erst als die Führung begann und man das große Tor mit der darüber liegenden Inschrift „Arbeit macht frei“ sah, wurde einem schlagartig bewusst, wo man sich befand. Man ging jetzt über den Boden, über den vor noch nicht einmal hundert Jahren etliche Nazis marschiert sind und Juden, die dort grauenvoll hingerichtet wurden. Vorbei an einem Galgen ging es dann in die Baracken, die heute größtenteils zu einem Museum umgebaut worden sind. Es verschlug einem die Sprache, wenn man unter anderem in den Raum mit den zahllosen Koffern der Inhaftierten kam, auf denen wichtigste Information über den Besitzer standen, in den Raum mit den zahllosen Schuhen von Frauen, Männern und Kindern oder in den Raum mit den Tonnen an Haaren, die den Häftlingen abgeschnitten worden waren. Auch die etlichen Fotos von Inhaftierten, die an den Wänden der Gänge hingen, ließen einen sehr schwer schlucken. Nach der ersten ungefähr dreistündigen Führung durch das Stammlager I gab es eine Pause, in der wir in dem neben dem Eingang befindlichen Restaurant essen konnten. Doch dieses wirkte sehr seltsam, da einem trotz des Hungers nicht zum Essen zumute war.

Nach dieser kurzen Pause fuhren wir nach Auschwitz-Birkenau, dem größten Konzentrationslager mit den Holzbaracken, in denen die Menschen früher wie Tiere eingepfercht wurden. In dem Teil der Gedenkstätte traf man wohl auf das Unverständlichste, was man sich nur denken konnte und über das man nur den Kopf schütteln konnte. Touristen in buntesten Kleidern mit Sonnenbrille und Baseball-Cap, dazu noch eine Kamera in der Hand und alles Mögliche fotografierend. Bei dieser Spezies von Touristen, die das Gegenteil von uns darstellten, konnte man fast denken, man sei in einem Freizeitpark, was bei der Tragweite dieses Grauens unmöglich erschien.

Der Holocaust wurde erst durch den Besuch und besonders durch die Einzelschicksale und durch das Sehen mit dem eigenen Auge greifbar. Ebenfalls wurde einem bewusst, wie sehr man dafür sorgen muss, dass sich Derartiges in der Geschichte nicht wiederholen darf.

Am letzten Tag unseres Aufenthaltes besuchten wir Kopalnia Soli Wieliczka, eines der ältesten Salzbergwerke der Welt. Sehr faszinierend war die Kapelle im Inneren des Bergwerkes, da diese komplett aus Salz gemeißelt wurde und einige beeindruckende Details hatte.

Am Abend kehrten wir noch einmal nach Kazimierz zurück, um dort in einem jüdischen Restaurant unsere Fahrt bei Livemusik und gemütlichem Essen ausklingen zu lassen. Das Essen war nach den Vorschriften der Juden koscher – und köstlich. Auch die Musik, instrumentale Klezmermusik (traditionelle Tanzmusik der Ostjuden), war unbeschreiblich gut.

Nach diesen wundervollen, aber auch laufintensiven Tagen hieß es für uns, dass wir Abschied von der Stadt nehmen mussten. Mit unserem gesamten Gepäck machten wir uns auf den Weg zum Zug und es hieß vierzehn Stunden Zeit zu vertreiben. Müde, aber zufrieden, fand jeder, nachdem wir in Bad Nenndorf wieder eingetroffen waren, den Weg nach Hause, um sich von der langen Reise zu erholen.

Felicia Garbe und Elisabeth Ritter



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