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3. TIE-Projekttreffen an der Bednarska in Warschau

Nach den vorangegangenen Treffen in Manchester und LeMans fand das dritte Projektgruppentreffen des Comenius-Projekts "Together in Europe" vom 16. bis 20. November an der polnischen Partnerschule in Warschau statt.

Gelegen fast direkt in der Warschauer Innenstadt überrascht die Schule mit dem eher sperrigen Titel "I Spoleczne Liceum Ogolnoksztalcace" zunächst durch ihre Baufälligkeit, Enge und die Tatsache, dass neben den ca. 300 Oberstufenschülern auch Studenten der Universität Warschau anzutreffen sind, da das Gebäude eigentlich der Universität gehört.

Die älteste Privatschule Polens, gegründet direkt nach dem Ende des Kommunismus und der Einfachheit halber "Bednarska" genannt nach der Straße, in der sie liegt, ist eine demokratische Schule, die viel Wert auf Mitbestimmung von Schülern und Eltern legt, die letztlich aber auch die Schule finanzieren. Neben den zahlenden Schülern gibt es dort jedoch auch einen Anteil von Stipendiaten, gerade auch von ethnischen Minderheiten, die den bunten Eindruck der Schule verstärken.

Im Rahmen der Projektarbeit wurde von den Teilnehmern aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Polen zunächst Themen vorgestellt, die aktuell kontrovers diskutiert werden in den jeweiligen Partnerstaaten. So ging es zum Beispiel um das Verbot des öffentlichen Tragens der Burka in Frankreich, der durch die neue Regierung in London vorgestellte Idee einer Begrenzung der Zuwanderung nach Großbritannien oder die Debatte um die Probleme der Integration von Minderheiten in Deutschland, die durch Thilo Sarrazins Buch angestoßen wurde. Deutlich wurde hier schon der Schwerpunkt auf die Auseinandersetzung mit fremden Kulturen in Europa gelegt, ohne dass vorher Absprachen getroffen waren.

Im Anschluss wurden diese Impulse dann genutzt, um den thematischen Rahmen für die Arbeit im zweiten Projektjahr, hauptsächlich auf den Projekttagen, abzustecken. Thematische Ansätze finden sich etwa in den Bereichen Immigration und Integration, der globalisierten Wirtschaft, aber auch der Umgang mit fremden Kulturen im Bereich Medien, Essen und Kleidung können thematisiert werden. Ziel der Arbeit soll dann immer auch sein, nach Einstellungen und Meinungen zu fragen, daher bietet es sich an, hier mit Umfragen zu arbeiten, die das Meinungsbild an den Partnerschulen widerspiegeln.

Nachdem die von den SchülerInnen erstellten Umfragen bereits an der Bednarska durchgeführt wurden, sollen diese dann im Januar auf dem nächsten Projekttag auch an den übrigen Schulen durchgeführt werden, um die Ergebnisse auf dem abschließenden Projekttreffen in Bad Nenndorf im März 2011 zu vergleichen.

Auch das Rahmenprogramm des Treffens war thematisch ausgerichtet, etwa mit dem Besuch bei Frontex, der EU Agentur, die für die Koordinierung der Sicherung der EU-Außengrenzen zuständig ist und deren Hauptquartier in Warschau zu finden ist. Mit einer Vielzahl von verschiedenen Aufgabenbereichen zeigt Frontex, was die EU unternimmt, um die Außengrenzen des Schengen Raums zu sichern, in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen allerdings ein Kampf gegen Windmühlen, wie Michal Parzyszek, der Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit, eingestehen muss. Hier stellte sich für die Teilnehmer dann auch die Frage, wie offen unsere Gesellschaft sein kann, ohne dabei die Interessen von Migranten auszublenden und ein Verständnis für den Wunsch nach einem menschenwürdigen Leben zu entwickeln.

Als weitere Höhepunkte warteten ein Rundgang durch die Altstadt, ein Besuch des Kulturpalasts und des polnischen Parlaments auf die Teilnehmer, Programmpunkte, die sich gut eigneten, um mehr über die polnische Geschichte zu erfahren. Während der Kulturpalast, das Wahrzeichen Warschaus, als Paradebeispiel für sozialistischen Realismus gilt und die sozialistische Vergangenheit und die Abhängigkeit von der UdSSR symbolisiert, zeigt das polnische Parlament, dass Polen eine lange demokratische Tradition besitzt, die immer wieder tragisch unterbrochen wurde. Auch wenn man nicht, wie noch bei der Studienfahrt einen Monat zuvor, explizit danach sucht und etwa das Museum für den Warschauer Aufstand oder die Gedenkstätten im ehemaligen Ghetto besucht, trifft man dabei überall auf Spuren gemeinsamer deutsch-polnischer Geschichte, die nicht immer einfach ist in Anbetracht der Tatsache, dass die Deutschen die Stadt im Jahr 1944 fast vollständig dem Erdboden gleichmachten als Vergeltung für den gescheiterten Aufstandsversuch der Warschauer.

So führt die polnische Geschichte auch zu einem Nebeneinander von Altem und Neuem, Traditionellem und Modernem, die den Aufenthalt in der polnischen Hauptstadt spannend gestalten. Während Frontex in einem ultramodernen Hochhaus mit Blick auf die Skyline des modernen und dynamischen Warschau residiert, begegnen einem immer wieder Relikte des Sozialismus und der Versuch, die älteren Traditionen nicht zu vergessen, indem man etwa alte Gebäudeensembles der Altstadt und das Stadtschloss wieder errichtete.

Das Projekttreffen in Warschau war alles in allem erfolgreich und spannend, jetzt warten die Vorbereitung des Projekttages im Januar und das abschließende Treffen in Nenndorf im März auf ihre Realisierung.

 

Kay Tomhave

 



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