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Der Vortrag „Griechische Bildung in Rom. Senecas »Schiffbruch« zwischen Homer und Epikur“ in Osnabrück

Unsere Exkursion zum Ratsgymnasium Osnabrück, wo Dr. Hans Bernsdorff, Professor für Klassische Philologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, einen Vortrag über die „Griechische Bildung in Rom“ (Thematischer Schwerpunkt für das Zentralabitur 2011) hielt, begann am 24.08.2010 in Bad Nenndorf bzw. Haste am Bahnhof. Von dort aus haben wir, der Latein-LK des Jgs. Q2 (12/13) und Herr Warnecke, den Zug über Herford nach Osnabrück genommen. Bis dahin verlief auch alles reibungslos: Die Züge wurden gefunden und verloren haben wir auch niemanden. Dann allerdings mussten wir den Weg vom Bahnhof zum Ratsgymnasium finden – und auch mit einer Karte, einem Handy mit Navi und 15 Lateinern, die anscheinend alle keine Ahnung von Orientierung haben, kann das schon einmal schwieriger werden. Aber auch das haben wir mit Würde und der Hilfe einer netten Osnabrücker Dame hervorragend gemeistert.

Prof. Bernsdorff selbst begann mit einer Einleitung zum Humanismus (Streben nach Menschlichkeit, Freiheit, Toleranz, Respekt etc.); diesen brachte er dann mit der griechischen Bildung in Rom in Verbindung und erklärte, dass eben diese griechische Bildung eine zentrale Rolle im Selbstverständnis der Humanisten gespielt habe. Des Weiteren zeigte Bernsdorff auf, dass die Römer in vielen Bereichen, wie z. B. der Kultur und Bildung, die Griechen nachgeahmt haben und dies auch noch im Mittelalter der Fall gewesen sei (z. B. Celtis und Rantzau). Rantzau hat genauso wie der Römer Cicero mit seiner Rede Pro Archia poeta „Loblieder“ auf die griechische Bildung und Kultur geschrieben. Neben typisch römischen fanden auch ursprünglich griechische Versmaße Berücksichtigung bei den Humanisten.

Um ferner zu zeigen, dass die Römer viele Bereiche, vor allem auch literarische Motive bzw. ganze Werke der Griechen nachahmten, nahm sich Bernsdorff Senecas Epistulae morales zur Hilfe. Seneca berichtet in seinem 53. Brief über das Erlebnis einer Seekrankheit, die er erlitten habe; dieser auf den ersten Blick eher unscheinbare Text weise ein griechisches Modell aus Homers Odyssee auf. Bernsdorff verdeutlichte hieran, dass Seneca in seinem Brief immer wieder auf das griechische Werk anspielt, z. B. wenn er die Hilfe der Göttin Athene auf die Philosophie übertrage, die ihm genauso geholfen habe, wie die genannte Göttin Odysseus geholfen habe.

Als nächstes richtete der Referent den Blick auf den Philosophen Epikur, der möglicherweise ebenfalls als Vorbild für Senecas Epistulae fungierte, was man wieder anhand des ähnlichen Inhalts der Werke erkennen könne; Epikurs Brief sei allerdings nicht überliefert, sondern durch eine erst 1970 gefundene griechische Inschrift aus Kleinasien und moderne Forschungsberichte rekonstruiert worden. Außerdem erläuterte Prof. Bernsdorff noch, dass auch Epikur die Odyssee als Vorbild genommen haben könnte.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Vortrag uns viele Beweise dafür lieferte, dass die Römer große Bereiche der griechischen Bildung und Kultur angenommen hatten und dass dieses „Phänomen der griechischen Bildung“, wie Bernsdorff es öfter genannt hatte, eine allgemeine Bedeutung sowohl für die Antike als auch für die Neuzeit hat. Diese tiefe Verpflichtung der römischen Literatur, Kunst und Philosophie gegenüber den Griechen ist nicht nur zum Verständnis der römischen Kultur selbst unerlässlich, sondern fungiert auch als Modell des europäischen Humanismus.

Nach dem Vortrag brachen wir dann – mit neuem Wissen – wieder auf und fanden auch schnell und ohne Probleme zum Bahnhof zurück. Leider hatte unser Zug auf irgendeinem uns nicht mehr bekannten Bahnhof eine Verzögerung aus nicht verständlichen Gründen (Durchsagen in Zügen sind nie verständlich), sodass der Anschlusszug von Haste nach Bad Nenndorf, den manche noch erreichen wollten, bereits abgefahren war. Trotzdem kamen wir alle zu Hause an.

Alles in allem kann ich also sagen, dass wir alle viel Neues dazugelernt haben (manche mehr als andere) und dass es durchaus ein Erlebnis war, das man einmal mitgemacht haben sollte.

Franziska Tegtmeier, Jg. Q2, LA-eN-Kurs



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