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Der Europatag 2010 am GBN

"Europäische Identität, die merkt man erst, wenn man raus kommt"

Im Rahmen einer EU Initiative, die ihre Beamten anlässlich des Europatages aufforderte, Schulen ihrer Wahl zu besuchen, hatten Schüler des GBN die Möglichkeit die EU besser kennen zu lernen.

Am Montag, dem 10. Mai 2010 besuchte Herr Andreas Krüger von Eurostat das GBN. Nachdem er von der 2. bis zur 4. Stunde den zehnten Klassen Europa näher brachte, durften Schülerinnen und Schüler des Seminarfachs „Together in Europe“ ein Interview in der 5. und 6. Stunde mit ihm führen. Dabei wurden viele Themenbereiche angesprochen. So ging es sowohl um seine Arbeit bei der EU, als auch um diverse Themen, die ganz Europa betreffen.

Durch einen Zufall hatte sich Andreas Krüger während seines VWL-Studiums entschlossen, ein Praktikum bei der EU durchzuführen, woraufhin er durch nach einem zweijährigen Bewerbungsverfahren eine Stelle in Brüssel bekam. Sein Arbeitsalltag scheint „unspektakulär“, ist jedoch durch die Multikulturalität und viele Diskussionen alles andere als langweilig. Seine deutsche Herkunft spielt in seinem Beruf eine weniger große Rolle, da die Arbeit größtenteils in der englischen Sprache abläuft und sich die meisten Mitarbeiter dort als Europäer sehen. Dass man sich als Europäer fühle, werde allerdings häufig erst klar, wenn man die Grenzen der EU verlässt oder wie es Herr Krüger formuliert „raus kommt.“

Dass viele Europäer nicht dieses Gefühl der „europäischen Identität“ haben, zeige sich beispielsweise an der niedrigen Wahlbeteiligung bei der Wahl zum Europaparlament. Nach Andreas Krüger habe das fehlende Interesse an der EU mehrere Gründe: Erstens fehle es an genügend Präsenz von Seiten der EU, zweiten seien schlechte Nachrichten populärer als gute, so dass auch die EU meist mit negativen Nachrichten verbunden werde und drittens werde die EU oft als Sündenbock dargestellt. Somit wüssten die meisten Europäer nicht viel über die Arbeit der EU.

Eine weitere Frage betraf die Grenzen der EU bezüglich der Anzahl der Mitgliedsländer. Laut Herrn Krüger ist der Beitritt Kroatiens in absehbarer Zeit zu erwarten. Seine Meinung zu weiteren möglichen Beitritten zur EU ändere er jedoch wöchentlich. Momentan bezweifle er, dass in der nächsten Zeit noch mehr Länder der EU beitreten werden. Dies hängt nicht nur mit der politischen und wirtschaftlichen Lage der Länder zusammen, sondern auch mit der Aufnahmefähigkeit der EU.

Die EU besteht aus vielen Organen und Institutionen. Oft wird daher kritisiert, dass die EU nicht hinreichend demokratisch sei. Andreas Krüger bemerkt hierzu, dass die EU schon demokratischer geworden sei, besonderes durch den Lissabon-Vertrag und zusätzliche Befugnisse für das Parlament. Alles andere sei eine Definitionsfrage.

Eurostat, der Arbeitsplatz von Herrn Krüger, erhebt Statistiken aus diversen Daten der Mitgliedsländer. Obwohl Eurostat also einen guten Überblick über die angeblichen Zahlen und Finanzen der Mitgliedsstaaten hat, besaß das Institut bislang kaum Kontrollkompetenzen. Ein Fehler beispielsweise im Hinblick auf Griechenland, da falschen Zahlen und Angaben gemacht wurden. Die damit verbundene Krise wäre durch mehr Rechte von Eurostat viel früher erkannt worden, erklärt Herr Krüger.

Das Interview war sehr interessant und informativ. Herr Krüger hat alle Fragen verständlich und für die Schüler und Schülerinnen nachvollziehbar beantwortet. Der Besuch ermöglichte somit, dass man sich die EU von einem „Experten“ veranschaulichen lassen konnte.

Daria Mundt und Christian Thiel (Q1)

Siehe auch der Artikel in den Schaumburger Nachrichten vom 11.05.2010



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