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11/15/18

Einladung

Die Weihnachtskonzerte finden dieses Jahr finden am 19. und 20. Dezember um 18.00 Uhr im Forum statt.

Anders als in den Vorjahren ist das Programm an den beiden Abenden nicht identisch:

Mittwoch mit: Bläserklasse 5b, Unterstufenchor, Stomp-AG, Junior Big Band, GBN Big Band.

Donnerstag mit: Bläserklasse 6b, Juniorblasorchester, Mittel- und Oberstufenchor, Musik-LK, GBN Big Band.

Eintrittspreise: 3 Euro für Erwachsene, 2 Euro für Schüler. Der Kartenvorverkauf beginnt am 6.Dezember in der großen Pause (Nähe Forum).


India to go

Wo findet man Indien wenn nicht in Indien? – Um diese Frage zu lösen, stellten wir uns der Herausforderung, die Spuren der Kolonie in dem Land der Kolonialmacht zu finden und nicht anders herum.

Unsere Expedition in den Großstadtdschungel startete an einem Sonntag in der Britische Metropole No One: London.

Die Trolleyausrüstung erwies sich schon nach kurzem als unpassend für die Verkehrswege untertage: treppauf, treppab, Kurve rechts, links, hoch, runter, rein, raus und nie zu vergessen „Please, mind the Gap!“. Nach diesen Strapazen wurde es das erste Mal richtig indisch mit dem gemeinsamen Abendmahl beim freundlichen Inder um die Ecke. Zwar herrschte zunächst Ratlosigkeit darüber, was man sich unter Chicken Tikka, oder Changiri Johl vorstellen sollte, aber am Ende war doch jeder glücklich mit seiner Wahl und den heißen Erfrischungstüchern.

Am nächsten Tag eröffneten sich uns wahre Schätze der altindischen Kultur in der Ausstellung der Royal Paintings of Jodhpur im British Museum, die sich aus farbenprächtigen und detailverliebten Gemälden des goldenen Maharaten-Zeitalters in Nordwestindien zusammensetzte. Prächtige Feste, bei denen sich der jeweilige Maharaja inmitten von mindestens 25 Frauen vergnügt, wurden auf den ersten Gemälden dargestellt, bevor die Thematik sich über die göttliche Sagenwelt zur Schöpfung der Welt verschob. Wir alle waren tief beeindruckt von der Sorgfalt der Künstler und der Feinheit der Linien. Wer noch weiter nach indischen Spuren Ausschau gehalten hatte, konnte sogar hinduistische Statuen und Reliefs entdecken. Auch hier bestach die indische Kunst durch ihre Detailfülle. Ich hätte es nie für möglich gehalten, aber sogar die Botanik des tropischen Subkontinents haben wir im erst kürzlich angelegten indischen Garten vor dem Museum entdeckt.

Nach so einer Reizüberflutung machten wir uns erst am darauffolgenden Tag an die Erkundung von „Little India“. Zuvor allerdings hieß die Losung Stille, Einkehr und religiöser Respekt. Die Sikhgemeinschaft ist die größte der vielen ethnischen, in Southall ansässigen Einwandergruppen und präsentierte stolz ihre religiöse Weltanschauung im 2003 fertiggestellten Tempel. Ohne Schuhe, aber mit Kopfbedeckung wurden wir bis direkt vor die heiligen Schriften vorgelassen, vor denen auch wir ehrfürchtig niederknieten. Unser Tempelführer bemühte sich mehr darum, die Gemeinsamkeiten zum Christentum und anderen monotheistischen Religionen zu betonen, als um eine gute Aussprache. Dies jedoch tat seinem Enthusiasmus und der Gastfreundschaft keinen Abbruch. Wir konnten sogar mit den Sikh auf dem Boden Linsencurry, Fladenbrot und Milchreis speisen. In diesem Moment habe ich mich der indischen Kultur sehr nahe gefühlt. Nach der spirituellen widmeten wir uns der irdischen Zerstreuung des modernen Inders: dem Bollywood-Kino (Himalaya Palace). Beim Bummel durch Southalls Straßen huschte kein einziges weißes Gesicht vorbei, in jedem Schaufenster glitzerten und glänzten die mit Pailletten und Edelstein übersäten Saris sowie wuchtiger Goldschmuck, zwischendurch Bollywood-Videotheken und Kitschkrams, sorgfältig gestapelte, unidentifizierbare, süße Quadrate; immer ein würziger Duft in der Nase und Sitarklänge im Ohr.

Am Donnerstag führte uns die nächste Spur nach Neasdon, einem unspektakulären Londoner Vorort, in dem, von Wohnhäusern umringt, der größte Hindutempel außerhalb Indiens sich eher seltsam in das Straßenbild einfügte. Die vielen weißen Marmortürme ließen die Pracht im Innern schon erahnen. Bevor wir jedoch ins Mandir, den eigentlichen Sakralbau, gehen konnten, mussten wir wieder unsere Schuhe ausziehen und erhielten im Haveli-Saal eine sehr kompetente Powerpoint-Einführung über den Hinduismus von einem Herrn im Businessanzug. Trotz unseres Vorwissens dürfte Einigen noch ein Licht aufgegangen sein. Anschließend ging es in eine Ausstellung rund um den Hinduismus mit seinen Tugenden, Ansichten, Daten und Fakten. Im eigentlichen Tempel konnten wir uns zusammen mit anderen Schulklassen zwischen die reich verzierten Marmorsäulen setzen und einer Opferzeremonie für die vollbekleideten Hauptgottheiten in den fünf Schreinen beiwohnen. Es war ein wenig befremdlich, als sich ein junger Hindu in Jeans flachausgestreckt vor mir auf den Boden wirft um zu beten. Die Qualität des indischen Kunsthandwerks war dort greifbar und doch unbegreiflich. Auf dem Rückweg ins Herz Londons bat uns ein Inder um ein Stück der geheiligten Speise, die Herr Deist als Dank für seine Spende erhalten hatte. Die Seligkeit, mit der er diese von uns entgegennahm, zeigte mir, wie tief verwurzelt die Traditionen noch immer sind, unabhängig von Land und Zeit; egal ob im Tempel oder in der U-Bahn, ob vor mehreren tausend Jahren oder heute – ein Inder kennt und achtet die Traditionen und schafft es, sie in eine moderne Lebensweise zu integrieren.

Diese Feststellung bestätigte sich in gemütlicher Runde bei Keksen, zusammen mit Sheeja, der Schwester von Herrn Deists Frau Sheena. Etwas schüchterner, aber genauso freundlich strahlend wie Sheena, berichtete Sheeja von ihrem Leben fern der Heimat; von den Schwierigkeiten mit Vorurteilen, der Trennung von ihrer Familie, dem grauen Londoner Wetter, aber auch davon, wie sie indisch für ihren Mann kocht und sich kleine Rituale bewahrt, um dem Heimweh nach ihrer exotischen Heimat entgegenzuwirken. Außerdem reichen die starken indischen Familienbande über Ozeane und Kontinente - dank sei dem World-Wide-Web. Mit dieser sehr privaten Einsicht in den Alltag einer in England lebenden Inderin konnten wir noch mal einen Blick hinter das indianisierte Londons werfen und spürten ein wenig von den Ängsten und den Träumen, die Inder dazu bewegen, ihr Indien zu verlassen und einer für sie fremden westlichen Kultur zu trotzen.

England mag großen Einfluss auf Indiens Politik gehabt haben. Doch die einzigartige indische Kultur lässt sich weder im tropischen Klima des Subkontinents noch in den grauen Straßenschluchten einer westlichen Großstadt unterkriegen.

Lara Sakowski



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