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11/15/18

Einladung

Die Weihnachtskonzerte finden dieses Jahr finden am 19. und 20. Dezember um 18.00 Uhr im Forum statt.

Anders als in den Vorjahren ist das Programm an den beiden Abenden nicht identisch:

Mittwoch mit: Bläserklasse 5b, Unterstufenchor, Stomp-AG, Junior Big Band, GBN Big Band.

Donnerstag mit: Bläserklasse 6b, Juniorblasorchester, Mittel- und Oberstufenchor, Musik-LK, GBN Big Band.

Eintrittspreise: 3 Euro für Erwachsene, 2 Euro für Schüler. Der Kartenvorverkauf beginnt am 6.Dezember in der großen Pause (Nähe Forum).


Schülerplakat

Seminarfachfahrt und Polenaustausch zur Thematik der Judenverfolgung und –vernichtung in der Shoa

Ein Bericht von Hannes Mallon – 6. März 2008

Am 7. Oktober 2007 begibt sich die deutsche Schülergruppe um ihre Lehrkraft Kay Tomhave und die Studenten Jan, Philipp und Elisabeth von der acs (arbeitsgemeinschaft christlicher schüler) im Rahmen des neu eingeführten „Seminarfachs“ auf den Weg in eine ferne Stätte mit dunklem geschichtlichen Hintergrund – nach Auschwitz.

Schon vor der Abfahrt war allen Kursteilnehmern bewusst, dass, gerade auch durch die zentrale Thematik der Vernichtung und Verfolgung der europäischen Juden in der Shoa, diese Fahrt nicht nur auf internationale Völkerverständigung zwischen den polnischen und deutschen Schülern abzielt, sondern dass sie sich auch intensiv mit der Thematik und vor allem mit der Aufarbeitung dieser beschäftigen wird. Nach mehr als einem Jahr intensivster Vorbereitung dieser Fahrt durch Herrn Tomhave und den Mitgliedern der acs allerdings fühlte man sich sehr gut vorbereitet, und somit überwog auch Freude und Neugier.


Auschwitz-Birkenau
Schüler des GBN in Birkenau

Dennoch verhielt sich insbesondere die deutsche Gruppe, gerade in Krakau gelandet, anfänglich sehr zurückhaltend, was wohl von der strapaziösen Anreise per Bahn (natürlich nicht ohne Zwischenfälle!) und Flugzeug herrührt. Und so mussten die in Sachen Zuvorkommendheit und Freundlichkeit exzellenten polnischen Schüler der Zespol Szkol Zawodowych Polskiego Gornictwa Naftowego i Gazownictwa, angeführt von ihrem Lehrer-Trio um Edyta Jantos, Monika und Kaşia, durch formvollendete Galanterie versuchen die Situation zu überspielen. Und so avancierten die jungen polnischen Männer schnell zu äußerst zuvorkommenden Kofferträgern für die deutschen Damen, die in einem der Vorbereitungstreffen aber schon vorgewarnt wurden, dass Koffertragen, Türaufhalten, der obligatorische Handkuss und Blumen beim Date zur polnischen Höflichkeit zählten.

Während der einstündigen Busfahrt vom Krakauer Flughafen nach Oświęcim (Auschwitz) kamen die deutschen und polnischen Schüler schnell ins Gespräch und die anfänglich deutsche Starrheit lockerte sich allmählich, als man begann, sich näher kennen zu lernen.

Die ersten vier Tage unserer fast 14-tägigen Reise verbrachten wir in der  Internationale Jugend-Begegnungsstätte (IJBS) Auschwitz. Dieser Ort sollte uns nicht nur als Übernachtungsmöglichkeit dienen, sondern Hauptaugenmerk war es gleichzeitig, uns in Kleingruppen mit der Thematik der Massenvernichtung, insbesondere der systematischen Judenverfolgung und -vernichtung durch den Machtapparat des Nationalsozialismus im 20. Jahrhundert, zu beschäftigen. Die ersten zwei Tage besichtigten wir sowohl das Stammlager Auschwitz I, das gut erhalten heute als Museum und als Gedenkstätte dient, als auch das Lager Auschwitz-Birkenau. Allerdings glich das Stammlager bei schönstem Wetter und gut gepflegten Häusern und Alleen stellenweise eher einem Freizeitressort als einem Ort des Schreckens. Leider scheint einigen Touristen auch die Bedeutung dieses Ortes fremd zu sein – wie sonst käme man auf die Idee seine Kinder mit Plastik-Maschinenpistolen durch das Stammlager laufen zu lassen? Am zweiten Tag fuhren wir, 28 Jugendliche aus zwei Nationen mit vier Lehrern und drei Studenten, in das wohl schrecklichste aller Konzentrationslager des Nationalsozialismus um Hitler – Auschwitz Birkenau. Erschüttert von den wirklich niederschmetternden Eindrücken, versuchten wir die Einblicke, die wir bei den beiden „Besuchen“ gewinnen konnten, in Worte zu fassen und darüber zu reflektieren. Dies gelang aber nur zum Teil, was zum einen von den schrecklichen Bildern herrührt, die man einfach nicht in Worte fassen kann oder möchte.

Als Möglichkeit, einen Weg zu finden, um mit der Thematik umzugehen, wurden die Besuche der Lager durch thematische Arbeit ergänzt. Dazu wurden binationale Gruppen gebildet, die sich mit den Themen der „Häftlingskunst“, des „Aufstandes des Sonderkommandos“, „Zwangsarbeit in den Werken der IG-Farben“ und des „Leidens der Sinti und Roma in Auschwitz“ auseinandersetzten.


Nach dem Aufenthalt in Auschwitz führte uns unsere Reise weiter in die nicht minder interessante Stadt Krakau. Dort begann dann auch der eigentliche Austausch, da nun jeder deutsche Teilnehmer bei einer polnischen Gastfamilie untergebracht wurde. Hier zeigte sich eine außergewöhnliche Gastfreundschaft und man fühlte sich gleich wohl und „wie zuhause“ im Kreise seiner „neuen Angehörigen.“ Am Freitagmorgen wurden wir auch von dem polnischen Schuldirektor herzlich willkommen geheißen, bevor wir die offiziellen Programmpunkte der Stadtführung(en) abzuarbeiten begannen.

Als erstes durchliefen wir das jüdische Viertel Krakaus, Kazimierz, schauten uns unter anderem noch genutzte Synagogen an und wurden von unserer Stadtführerin auch auf den jüdischen Friedhof hinter einer Synagoge geführt. Die Stadtführerin verstand es der Gruppe ausführliche Informationen zu den jeweiligen Orten zu geben. Auf dem Programm stand darüber hinaus auch die Besichtigung der legendären Fabrik Oskar Schindlers, die er benutzte, um Hunderte das Leben zu retten. Am Nachmittag dieses Tages besichtigten wir auch das Salzbergwerk Wieliczka, das nicht fernab von Krakau liegt. Dies hatte zwar nicht so sehr etwas mit unserer Thematik zu tun, vollendete aber das Rahmenprogramm unseres Austausches insofern, dass es ein kultureller, politischer und geschichtlicher Austausch war und sich nicht nur auf die Thematik des Holocaust beschränken konnte und durfte.

So trafen wir uns am Samstagmorgen dann auch wieder um auch andere kulturelle Stätten jenseits der Bars und Diskotheken zu erkunden. So erfuhren wir einiges über die Geschichte Krakaus mit ihren vielen Facetten, Königen, Mythen und Legenden. Wer hätte vor dem Austausch gedacht, dass Krakau einst die Stadt der Könige war, voller Reichtümer und Hauptstadt Polens?!


Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Am Sonntag, den 14. Oktober 2007 hieß es dann Abschied nehmen – Abschied vom Land Polen. Mit den Polen und Polinnen begaben wir uns dann auf einer mehr als zehnstündigen Zugreise nach Berlin, wo wir die nächsten drei Tage verbringen sollten. Erst auf dieser Zugreise wurde zumindest uns Deutschen bewusst, wie komfortabel die Hinreise doch tatsächlich gewesen war. Für viele Polen war dies ihre erste Reise außerhalb Polens in ihrem Leben und umso gespannter waren sie all die Eindrücke, Bilder und Andenken  in sich aufzunehmen und mit nach Polen in die Heimat zu tragen.

Neben der Besichtigung zentraler Orte Berlins, wie dem Regierungsviertel mit Reichstag, Kanzleramt und Brandenburger Tor, des Potsdamer Platzes und des Alexanderplatzes standen die Beschäftigung mit der Thematik aufs Neue im Vordergrund.

So unternahmen wir eine Exkursion zum Haus der Wannseekonferenz, wo wir in einem eintägigen Seminar die Verarbeitung der Geschichte der Verfolgung der Juden bearbeiteten. Hierbei beschäftigte sich die polnische Gruppe eher mit der polnischen Historie, wohingegen wir den Schwerpunkt auf den Umgang mit dem Holocaust in Deutschland legten. Am Ende wurden die Ergebnisse der zuvor gebildeten Kleingruppen, die sich wiederum mit einem bestimmten Thema beschäftigte, im Plenum präsentiert.

Auch standen ein Gang durch Berlins Unterwelten im Kontext unseres Programms, sowie die Besichtigung des ehemaligen Verladebahnhofes Grunewald. Dieser ist heute zwar noch in Betrieb für S-Bahnen, ein Teil des Bahnhofs wurde aber einer Gedenkstätte für die deportierten Juden gewidmet, indem man über fünfzig Stahlplatten mit den genauen Daten und Opferzahlen kreierte, und es außerdem noch eine Gedenkwand, hinführend zum Bahnsteig, gibt. Nachmittags stand der nichtobligatorische Besuch des Jüdischen Museums an. Am Tag der Abreise aus Berlin besuchte die Gruppe noch das Denkmal für die ermordeten Juden Europas neben dem Brandenburger Tor, bevor sie am Mittwoch die letzte Station unserer Reise erreichten – Bad Nenndorf.

Hier gastierten die polnischen Austauschteilnehmer in unseren Familien und wir planten neben dem Rahmenprogramm, etwa eine Besuch bei der Bürgermeisterin Bad Nenndorfs, auch viele Aktivitäten mit den Polen, um die aufgebauten Freundschaften noch weiter zu verfestigen.

Passend zur Thematik der Judenverfolgung und -vernichtung in der Shoa besuchten wir zum Abschluss das Konzentrationslager Bergen-Belsen, in dem zu jener Zeit leider im Ausstellungsraum Umbauarbeiten stattfanden. Somit bekamen wir erst zwei getrennte Führungen durch das Lager, wobei die Polen einen anderen, eher allgemeineren Schwerpunkt wählten, als wir, die Bergen-Belsen höchstwahrscheinlich alle schon mindestens zum zweiten Mal gesehen haben. Anschließend versuchten wir in einem Rollenspiel in den Perspektiven verschiedener Interessengruppen zu klären, wie man mit Mahnmälern und Gedenkstätten in der Zukunft umgehen sollte. Dazu vertraten Gruppen etwa die möglichen Positionen von Überlebenden des Holocaust, von EU Parlamentsabgeordneten, und von Gedenkstättenleitern.

Fazit:

Nach 13 Tagen intensivster und erschöpfender Auseinandersetzung mit einem zum Teil sehr sperrigen Thema, mittelgroßen Sprachproblemen und anfänglicher Zurückhaltung, zeigt sich dieser Austausch in einem besonders glanzvollen Licht, da jeder einzelne Teilnehmer nicht nur Erfahrungen und Eindrücke für sich gewinnen und sich weiterbilden konnte, sondern  die Gruppe auch einen Beitrag zur internationalen politisch-kulturellen Völkerverständigung geleistet hat. Als einziger Wehrmutstropfen dieser Fahrt ist wohl der Abschied am Gleis 3 des Haster Bahnhof anzusehen, bei dem aber nicht nur reichlich Tränen flossen, sondern sich auch das Versprechen gegeben wurde, dass man weiterhin in regem Kontakt miteinander stehen werde.



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